Date for one

„Eine Tür lässt sich leicht öffnen, hindurchzugehen ist das was manchmal schwierig ist“

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Nächste Woche steht mir ein sehr aufregender Abend bevor und ich bin jetzt schon unglaublich nervös.

Ich habe ein Date.
Wann genau steht noch nicht fest, aber ich denke, es wird Samstag oder Sonntag sein.
Das Aufregende ist, dass es eine neue und besondere Art von Date für mich sein wird und dadurch die normale, schon kaum erträgliche Aufregung bei Weitem übersteigt.

Es ist ein Date mit mir.
Mit mir ganz allein.

Ich habe beschlossen, mich zum Essen einzuladen und ohne Begleitung auszugehen.

Es gab bisher wenige Situationen in denen ich mich bewusst dazu entschieden habe, etwas allein zu unternehmen.

Genaugenommen gab es noch gar keine.

Die meisten Single-Unternehmungen waren mit Verabredungen oder Terminen verbunden und dienten lediglich zur Zeitüberbrückung und nicht einer konkreten Auseinandersetzung mit dem „Allein-Ausgehen“.
Es ist ein Experiment, das mir seltsamerweise Mut und Überwindung abverlangt.

Ich begebe mich freiwillig in eine Situation, die ich nicht unbedingt als angenehm empfinde und in der ich mich eher unwohl fühle.
Ich möchte mich diesem unbegründeten Unbehagen stellen, denn nur dadurch, dass ich dem von Angesicht zu Angesicht gegenüber trete, lässt es sich überwinden.

Zumal man im Alleingang oft sehr viel bessere Chancen auf neue Begegnungen hat und interessante Erfahrungen machen kann.
Man ist nicht abgelenkt und konzentriert auf seinen Gegenüber, sondern setzt sich viel intensiver und aufmerksamer mit seinem Umfeld auseinander.

Ich möchte mich ein Stück weit davon befreien, mich von meinen Freunden abhängig zu machen.

Wenn ich Lust habe, ins Kino zu gehen und keiner kommt mit, was mache ich?
Ich bleibe zu hause.
Wenn ich auf dem Flohmarkt nach schönen Dingen stöbern möchte und keiner kommt mit, was mache ich?
Genau. Ich bleibe zu hause.
Wenn ich gerne in meinem Lieblingscafé ein Stück Kuchen essen würde,….
Ja.
So ist es in vielen Situationen.
Ich verzichte darauf, weil mir die Begleitung fehlt.
Zugegebenermaßen kommt das nicht allzu oft vor, weil ich mich glücklich schätze, ein unternehmungslustiges und spontanes Umfeld zu haben, aber wenn keiner mit kommt, bleib ich zu hause.

Dumm ist das, dumm.
Ich verschenke Zeit und verpasse vielleicht einen tollen Moment.
Aus reiner Bequemlichkeit und Unsicherheit beraube ich mich der Unabhängigkeit.
Aber was sollte passieren?!?

Ich könnte mich langweilen, dumm da sitzen und nicht wissen, was ich mit mir anfangen soll.
Komischerweise habe ich mich zu hause noch nie mit mir gelangweilt und es spricht auch nichts dagegen, zu meinem Date ein Buch oder den Laptop als Notfallpaket mitzunehmen, falls es wider Erwarten total öde werden sollte.
Ich wette, dass ich das nicht als unhöflich empfinden werde.

Für viele Menschen ist das „Allein-Unternehmen“ Alltag.
Mein bester Freund z.B. macht so etwas ständig.
Nachdem er von seiner Heimatstadt fortgezogen war, war er gezwungen, im Alleingang loszuziehen, sonst hätte er überhaupt nichts unternehmen und sich nie in sein neues Zuhause integrieren können.
Und er hätte kein neues, soziales Umfeld aufgebaut.
Er ist unabhängig von Anderen.
Hat er Begleitungen ist das natürlich prima, wenn nicht, stellt dies aber kein Problem dar und er geht trotzdem aus.

Ich kam noch nie in eine solche Situation.
Es ist Zeit für diese Erfahrung.

Sollte es ein erfolgreicher Abend werden und wir sind uns sympathisch, werde ich versuchen mich regelmäßig mit mir zu verabreden.
Es kann ja nicht schaden.
Der erste Schritt ist aber bekanntermaßen der Schwierigste.

Vielleicht sage ich deswegen ja doch noch ab.
Wer weiß.
Vielleicht springe ich aber auch über meinen Schatten, verlasse meine allzu bequeme Komfortzone und verbringe einen großartigen, interessanten Abend.

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7 Antworten zu “Date for one

  1. Sag nicht ab. Um es mal mit den Worten eines Mannes zu formulieren: „Du weißt ja gar nicht, was du da verpasst“ – also, gesetz dem Fall, du würdest absagen ;)
    Irgendwie glaubt man nicht so recht an die Qualität der Zeit, wenn man alleine irgendwas macht. Wobei das natürlich genau genommen wurscht ist. Vielleicht konzentriert man sich sogar noch intensiver auf sein Stück Kuchen oder auf einen Film. Und ja, man hat auch eine bessere Chance, neue Begegnungen zu machen. Kaum zu glauben, aber es gibt sogar ein paar Vorteile, die dafür sprechen, trotz permanenter Begleitungsmöglichkeiten immer mal wieder etwas alleine zu unternehmen. Sollte ich auch mal machen. Herzlichen Dank für die Anregung und ich wünsche dir schon jetzt, auch wenn es noch etwa eine Woche hin ist, eins der schönsten ersten Dates, das du je hattest ;)

  2. Mach das… es ist sehr interessant und es wird von mal zu mal leichter.
    Ich bin da wie Dein Kumpel… ich mache viel alleine – einfach, weil es mir gerade in den Sinn kommt.
    Kino alleine ist nicht schlimm… Du wirst sehen. Es ist im Grunde genommen auch nicht anders, wie wenn Du zu Hause alleine einen Film anschaust.
    Mit mit selber Essen gehen tu ich auch öfters. Es gab einmal eine Zeit, da habe ich fast nicht für mich selbst gekocht. Dann bin ich raus, in die City und hab mich in eine Restaurant gesetzt. (Das ist etwas, was ich nun öfters tun möchte, für mich selber kochen – ich versuche also den Anderen weg zu gehen.)
    In einem Café alleine: da habe ich mein Strickzeugs als Notfallpaket dabei. Und ich flirte viel, wenn ich alleine unterwegs bin. Das musste ich mir aber auch erst wieder beibringen.
    Viel Spaß mit Dir selber nächstes Wochenende. Und: Nicht aufgeben, wenn es das erste Mal seltsam ist… einfach immer wieder tun :-)

    • Ich danke dir! :)
      Bis es irgendwann zur Routine und Selbstverständlichkeit geworden ist, werde ich mir wohl häufiger seltsam vorkommen..:) Aber es stimmt, es wird mit jedem Mal leichter..

  3. Du hast eine Verabredung mit dem Menschen, der dazu in der Lage ist, Dir von allen am nächsten zu sein :-) Das hat seinen Wert. Ich kann Dir gut nachfühlen, wie es Dir gehen muß oder wird. Auch ich habe mir das beigebracht, das alleine ausgehen. Es war sehr merkwürdig, am Anfang. Ich kam mir so vor, als ob es alle sehen würden, dass ich alleine bin. Das tat mir irgendwie weh. Verkrampft las oder schrieb ich und rauchte viel zu viele Zigarretten. Irgendwann änderte sich dieses Empfinden. Ich weiß leider nicht mehr wann und warum. Mitlerweile fühle ich mich wie eine von vielen und nicht mehr exponiert. Ich tauche in der Masse unter und kann mich darin frei bewegen. Es tut gut, dabei sein zu können. Wo auch immer Du gerne sein möchtest. Das einzige, dass mich stört ist, dass Menschen zu mir Kontakt aufnehmen zu versuchen, ausgerechnet, wenn ich grad alleine in der Öffentlichkeit etwas unternehmen möchte. Es tut mir gut einfach mal da sein zu können, ohne dass ich für andere da sein muß. Einfach einen Wein trinken, eine Zigarette rauchen und in ein Kaminfeuer schauen und träumen. Ich glaube, jetzt weiß ich wieder, warum ich es mittlerweile genießen kann mit mir alleine zu sein – ich habe erkannt, dass, wenn ich bei mir bleibe, bei meinen Gefühlen, Wüschen, Bedürfnissen und dementsprechend gut für mich sorge, dann fühle ich mich nicht mehr allein und dementsprechend fühle ich mich dann auch nicht mehr so, als ob jeder dieses Alleine sein sehen und abwerten könnte. Viel Erfolg bei Deinem Date. Genieß es! Mach etwas, dass Dir gefällt. Genieße die Freiheit, Dich ganz nach Deinen Wünschen und Bedürfnissen auszurichten, wenn Du mit Dir selbst verabredet bist. :-)

    • Wow, das klingt wirklich gut und geradezu verlockend..mittlerweile weicht die Aufregung einem Gefühl der Vorfreude!!!vielen Dank für deinen sehr hilfreichen und motovierenden Kommentar!:)

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