Krankes Haus

Die Krankenhaus – Saga
…Teil 1

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Nach noch nicht einmal 12 Stunden Krankenhausaufenthalt habe ich schon so viele Eindrücke gesammelt, dass ich tatsächlich ein Buch schreiben könnte.

Es könnte aber auch daran liegen, dass ich noch nie im Krankenhaus war (abgesehen von einer Kleinigkeit als ich 8 Jahre alt war) und mich ganz vielen neuen Erfahrungen gegenüber sehe.

Ich stelle vor allem fest, dass man kein buddhistisches Kloster braucht, um zu mehr Gelassenheit zu finden.
Ein paar Stunden Klinik reichen mir schon.
Ich habe seit meiner Einlieferung einen Bewegungsspielraum mit einem Radius von einem knappen Meter.
Ich bin wirklich kein Bewegungsjunkie, aber das ist auch mir definitiv zu wenig.
Da ich „Monitorpflicht“ habe und mit mehreren Kabeln an einem EKG festgekettet bin, bedeutet dies, ich muss alles aus dem Bett heraus erledigen.

Meinen Freund den Toilettenstuhl habe ich schon sehr ins Herz geschlossen, denn er hat mich von dem wesentlich schlimmeren Übel, einer Bettpfanne, bewahrt.
Aber bei jedem Besuch reiße ich mir eine der Mess-Manschetten ab und muss diese erst wieder befestigen, um zu vermeiden, dass sich das plötzlich hereinstürzende Pflegepersonal überrascht einem blankgezogenen Hinterteil gegenübersieht.

Ein weiteres Highlight ist mein Bettnachbar.
Auch hier habe ich großes Glück.
Es ist ein 90jähriger, schwerhöriger Opa, der sich trotz Hörgerät mit Ärzten und Pflegern in einer Lautstärke unterhalten muss, dass es sicherlich einige Zimmer weiter klar und deutlich zu verstehen ist.
Da ständig andere Ärzte und Oberärzte aus unterschiedlichen Fachbereichen vorbeikommen, haben sich diese und der Opa immer gegenseitig die Krankengeschichte und die nächsten Abläufe zugebrüllt.
Mittlerweile kenne ich seine Krankengeschichte besser als meine und war heute morgen kurz davor, die Ärzte darauf hinzuweisen, dass Opa gerne eine Magnesium Tablette hätte, weil er sonst Wadenkrämpfe bekommt.

Das Gute an seiner Schwerhörigkeit ist, dass er nicht mitbekommt, wenn ich, nur durch einen orangefarbenen Vorhang getrennt, auf meinem Stuhl Platz nehme.

Die Phase in der ich mich entwürdigt gefühlt habe, habe ich bereits hinter mir gelassen und mittlerweile mache ich mir fast schon einen Spaß daraus.
Es ist eben eine Art Grenzerfahrung.

Das ich beim Zähneputzen die Zahnpasta in eine Pappschale spucken muss, stört mich schon gar nicht mehr.
Und das ich wegen jeder Kleinigkeit eine Schwester in mein Zimmer klingeln muss, hat sicherlich bald etwas von Dekadenz.

Erstaunlich ist aber, dass ich bisher noch nie von solchen, aber so elementar wichtigen und vor allem natürlichen Dingen gehört habe.

Die, die tagtäglichen Abläufe betreffenden Pflichten und Funktionen sind ja geradezu ein Tabu-Thema oder warum habe ich noch nie etwas von einem Toilettenstuhl gehört?!?

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