„Ich gehe jetzt, Opa!“

Die Krankenhaus – Saga
…Teil 3


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Gestern vormittag war es soweit.
Ich wurde tatsächlich von meiner Kabelleine befreit und auf die Normalstation verlegt.

Als ich mich von Opa, der mich übrigens immer liebevoll „Frau Sophie“ nannte, verabschiedete, hatte ich keine Ahnung, wie sehr ich ihn innerhalb kürzester Zeit vermissen würde und wie sehr sich meine Befürchtungen, dass bei so einem nervigen Tagesstart (siehe Teil 2 der Krankenhaussaga „Verlegung verlegt“) noch einiges auf mich zukommen könnte, bewahrheiten sollten.

In meinem neuen Zimmer befand sich eine ganz bezaubernde, sehr sympathische Oma.
Kurz hab ich an eine romantische Krankenhaus-Lovestory gedacht, wo ich im weißen Krankenhaus-Hemdchen Amor spiele und Opa mit Oma verkupple.
„Herz an Herz-neue Liebe auf der Kardiologie“ mit Sascha Hehn als Krankenpfleger.
Das habe ich jedoch relativ schnell ad acta gelegt.
Die Heizung lief auf Hochtouren, das Fenster war geschlossen und die Zimmertür geöffnet.
(Frische) Luft und Privatsphäre gleich null.
Nichts für Opa.
Für mich natürlich auch nicht, aber ich hatte keine Wahl, denn Oma ist Asthma-Patientin und bekommt bei geschlossener Tür Beklemmungen.
Ok.
Krankenhaus erfordert eben Rücksichtnahme und die Einschränkung der eigenen Bedürfnisse.

Dementsprechend erleichtert war ich, dass Oma am selben Vormittag entlassen werden sollte, denn einerseits war der hektisch-turbulente Radau auf dem Krankenhaus-Gang extrem anstrengend und andererseits war das Atmen quasi überflüssig, weil es in unserem Zimmer nichts gab, was meinen Lungen ein erleichtertes Aufatmen hätte bescheren können.

Als ich mich zu meiner ersten Untersuchung auf den Weg machte, verabschiedete ich mich sicherheitshalber von ihr und trabte in meinem Schlaf-Schlabber-Look Richtung EEG.
Mit einem Netz und zig Ekektronenkabeln, die mit einer übelriechenden Pampe an meinem Schädel fixiert wurden, wurden meine Hirnströme gemessen.

Mit Sturmfrisur und miefenden Haarsträhnen durfte ich nach der Untersuchung durchs halbe Krankenhaus zurück in mein Zimmer spazieren, wo ich wenigstens Zeit hatte, meine Haare zu waschen, bevor ich auf der HNO zum Nasenbeinbruch-Checkup aufschlagen sollte.
Herrlich war die Begrüßung der Frau an der Anmeldung, die mir, mit meiner immer noch geschwollenen und zerkratzten Nase, voller Überzeugung mitteilte, dass ich doch sicherlich zum Hörtest da sei.
Ähm ja,- fast.

Auf meine Station zurückgekehrt, wurde ich direkt wieder auf die Etage zurückgeschickt, von der ich gerade kam.
Nächster Programmpunkt Herz-Ultraschall.
Ich fühle mich langsam wie ein viel gebuchtes „Oben-ohne“ Model, so oft wie ich in den letzten drei Tagen mein Shirt vor fremden Menschen ausgezogen habe.
Nachdem mir schließlich noch das Langzeit EKG angeschlossen wurde und ich ungewollt Einblick auf eine Herzschrittmacher OP bekam, war mein Untersuchungs-Marathon abgeschlossen und ich von der ungewohnten Hin-und Her Lauferei völlig erschöpft.

Zur Ruhe sollte ich jedoch noch lange nicht kommen.
Mir stand noch ein nervenaufreibender Abend mit der „bösen Frau“, ich nenne sie Mrs Umbridge (für die, die Harry Potter-affin sind), bevor.
Die absolute Krönung des Tages.
Meine neue Bettnachbarin hatte mich bereits nach 5 Minuten zur absoluten Weißglut gebracht.

Sie glänzte durch mangelndes Einfühlungsvermögen, penetrant-unverschämte Neugier, grauenerregenden Pessimismus, krankhafte Aufmerksamkeitssucht egoistische Sturrheit, Besserwisserei, fehlende Selbstreflexion, keinerlei Anpassungsfähigkeit und ist die unschlagbare Königin im Schuldzuweisen, immer auf der Suche danach, Probleme zu kreieren, wo eigentlich keine sind.
Ich behaupte von mir ein friedlicher, toleranter und anpassungsfähiger Mensch zu sein.
Ein Krankenhausaufenthalt ist nunmal kein Urlaub und man muss sich mit vielem auseinandersetzen und arrangieren.

Mrs. Umbridge brachte mich jedoch dazu, wenn auch nach langer, sehr mühsamer und anstrengender Selbstkontrolle meinerseits und gekonnter Dauerprovokation ihrerseits, vollkommen auszuflippen und hysterisch rumzuschreien, nachdem sie sich bei der Schwester über mich beschwert und mir letztlich vorschreiben wollte, wann ich was zu tun und zu lassen hatte.

Nach dieser sehr unschönen und vor allem unnötigen Eskalation ging ich auf den Stationsflur, lief auf und ab und versuchte vergeblich mich zu beruhigen.
Ich weiß nicht wann und ob ich mich jemals so aufgeregt habe.
Mein Herz raste, mein Kopf rauschte, ich hatte Kopfschmerzen und mein ganzer Körper kribbelte und prickelte.
Mit graut es jetzt schon vor der Auswertung des Langzeit EKGs.

Während der ersten fünf Minuten ziellosem Auf und Ab Wanderns durch den leergefegten Stationsflur, begleitet von den ständigen „Hilfe-Hiiiilfee“ Rufen einer geistig verwirrten und herzkranken Frau und wegen dem Vorfall an sich, wurde ich kein bißchen ruhiger und fragte mich erneut, ob ich wirklich auf der Kardiologie bin, so abstrus wie diese ganze Situation war.
Schließlich schlug mir die Schwester vor, das Zimmer zu wechseln.
Unendlich erleichtert nahm ich dieses Angebot dankbar an und zog verwirrt, aufgebracht und wortlos um.

Mittlerweile kann ich schon fast darüber lachen und freue mich, dass ich etwas elementar Wichtiges von Mrs. Umbridge gelernt habe:

„Der Fernseher darf auf keinen Fall nach 22 Uhr laufen, weil er sonst krebserregende Wellen ausstößt.“

 

 

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