Diagnose: ein wenig gestört

Die Krankenhaus – Saga
… wie es weitergeht

 

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Zack.
Da ist sie.
Die Diagnose.

Es ist eine Niete.

Eine absolute Niete und die Dickste, die ich bisher gezogen habe.

Was sich in den letzten Tagen in der Klinik angebahnt hat, hat sich am Mittwoch, meinem heiß ersehnten Entlassungstag, endgültig bestätigt und auch mein Hausarzt hat sich gestern, entgegen meiner Hoffnung, einfach mal geweigert, die Vermutung der Krankenhaus-Ärzte zu widerlegen.
Meine heile, unbeschwerte Gesundheitswelt hat mit dem Nasenbeinbruch einen Riss bekommen.
Der schönste und wertvollste Porzellanteller hat einen Sprung.

Ich hatte einen epileptischen Anfall.

Das bedeutet: Alles ist möglich.
Es kann ein einmaliger Anfall gewesen sein oder auch nicht.
Es kann regelmäßig vorkommen oder auch nicht.
Es kann durch alles ausgelöst werden oder auch nicht.
Prognosen sind vollkommen überflüssig.
Sollte es noch einmal zu einem Anfall kommen, weiß ich weder wann, noch wo, noch wie häufig.

Ein seltsamer Zustand.
Die unbeschwerte Leichtigkeit und Sorglosigkeit weicht einem Gefühl der Ungewissheit und Unsicherheit.

Bisher waren mein Körper und ich eine selbstverständliche Einheit, im friedlichen Einklang voller Harmonie.
Nun fühle ich mich ein stückweit mir selbst ausgeliefert, weil es jedezeit passieren könnte, dass ich die Kontrolle über meinen Körper verliere.

Dennoch: Sollte die Epilepsie mein einziges gesundheitliches Schicksal sein und ich von Schlimmerem verschont bleiben, sage ich „Danke dafür“ und nehme es gerne an.

Denn ich habe im Krankenhaus Ängste erlebt, Ängste, deren Existenz ich kaum für möglich gehalten hätte.
Ich habe, während dem Warten auf die MRT-Ergebnisse, mit den schlimmsten Diagnosen gerechnet.
Diagnosen wie Gehirntumor, Schlaganfall, Hirnentzündungen waren plötzlich möglich und gegenwärtig.
In MEINER Gegenwart.
Absurd.
Es waren die schlimmsten und längsten Stunden meines Lebens
(ein Atheist, der plötzlich betet…)
auf die der wunderbarste und befreiendste Moment folgte, als sich (DANKEDANKEDANKE) nichts von diesen Befürchtungen bewahrheitet hat.

Ich kann mir selbst kein Urteil über das Leben mit Epilepsie erlauben, aber nach Aussage der Ärzte, kann und soll ich weiterleben wie bisher.
Gibt es weitere Anfälle, gibt es Tabletten.
Gibt es Keinen, gibt es Freude.

Die Anfälle selbst sind, abgesehen davon, dass es Gift für die Eitelkeit und ein schockierender Anblick für die umstehenden Menschen ist, nicht das Problem.
Das eigentliche Problem ist der eigene Umgang mit der ständigen Ungewissheit und vor allem das hohe Verletzungsrisiko.

Mein Hausarzt antwortete gestern auf meine Frage, was das Schlimmste sei, dass mir passieren könnte, mit einem aufmunternden Augenzwinkern:
„Sie könnten sich die Nase brechen.“

Ok.
Das ist natürlich nicht alles. Wenn ich im Sommer im See schwimmen gehe und habe fernab des Ufers einen Anfall, habe ich ein Problem.
Demnach sollte ich vielleicht manche Aktivitäten überdenken. Oder, besser, akzeptieren, dass dies dann möglicherweise mein Schicksal ist.

Was die Diagnose also für mich bedeutet?!?

Das Leben muss sich, trotz gesundheitlichem Kontrollverlust, nicht zwangsläufig ändern, es kommt lediglich darauf an, wie man mit Veränderungen umgeht.

Somit erweitert sich meine Lebensphilosophie
(„Lebe im Hier und Jetzt“) um einen weiteren, wichtigen Aspekt:

„Übe dich in Gelassenheit“

Und dabei liegt die Kontrolle ganz allein bei mir.

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5 Antworten zu “Diagnose: ein wenig gestört

  1. Dann hoffe ich mit dir, dass es einmalig bleibt…

  2. Zuerst ist es gut, dass sich all die anderen Vermutungen nicht bestätigt haben, dennoch ist Epilepsie auch eine ernste Sache. Je nachdem, in welcher Situation man sich befindet, kann ein Anfall sehr gefährlich sein. Hoffen wir, dass es beim Einzelfall bleibt. Bei mir gab es auch die Vermutung von Epilepsie nachdem ich beim Zahnarzt einen Anfall bekommen habe und zitternd zusammengebrochen bin.
    Alles Gute!

    • Danke dir!
      Ja, eine Lappalie ist das sicher nicht.
      Ich werde mich aber nicht unnötig verrückt machen und mir den Kopf über Dinge zerbrechen, die ich nicht ändern kann.
      Es kommt so oder so wie es kommen soll..

      Ich hoffe, bei dir hat sich die Vermutung nicht bestätigt?!?

      • Verrückt machen darf man sich nicht, weil es eher schadet als hilft. Heute gibt es eh mehr Möglichkeiten damit zu leben.
        Bei mir hat es sich nicht bestätigt, der Anfall ist bereits über 15 Jahre her. Ich war in der Situation sehr angespannt und ängstlich und mein Kreislauf gab nach. Mit Ohnmacht habe ich hin und wieder zu tun, meistens durch Schmerz, verbunden mit Kopfkino. Dabei kann man übrigens genauso blöd fallen. Die Gefahren lauern also überall :).

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