Kitsch-Glück

Stell dir vor es ist Flohmarkt und ich geh hin..

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Jeden ersten Sonntag im Monat ist Flohmarkt-Tag und dieser Termin fest in meinem Kalender eingespeichert.

Ich finde es immer wieder großartig, auf eine kleine Reise in die Vergangenheit zu gehen und in der Regel wird aus einer solchen Erkundungstour eine erfolgreiche Schnäppchen-Jagd.

Ich liebe die Relikte der 50er bis 80er Jahre und freue mich wie ein kleines Kind, wenn ich neue, besondere Retrostücke entdecke, die ich dann in meinem Zuhause gebührend in Szene setzen kann.

Gestern war ein ganz besonders erfolgreicher Tag, denn die Reise führte mich direkt zurück in meine Kindheit!

Als Baby und Kind hatte ich das Glück, täglich meine Großeltern besuchen zu können und dort sogar ein eigenes Bett zu haben, über dem meine Oma liebevoll das Bild eines Schutzengels aufgehängt hatte.
Sie erklärte mir, dass jeder Mensch einen eigenen Schutzengel habe, der ihn beschützen und auf ihn aufpassen würde, damit ihm nichts passiert.
Ich liebte dieses Bild und die Momente voller Wärme und Geborgenheit, wenn meine Oma mich ins Bett brachte, mir von den Schutzengeln erzählte und ich, eingehüllt in selbstverständliche Sicherheit noch nicht einmal ahnte, dass es ein Gefühl wie beispielsweise Angst geben könnte.

Doch je älter man wird, umso unvermeidlicher ist die Begegnung mit diesem Gefühl und seinen Kameraden Trauer, Schmerz und Unsicherheit.
Plötzlich steht man in der grauen Realität, in der das unsagbar kitschige und peinliche Schutzengel-Bild, den hormonellen Horror-Trip und die ersten Negativerfahrungen auch nicht leichter machen kann.
Das dachte ich zumindest, als ich in die Pubertät kam.
Ich schämte mich sogar für diesen kindischen Störfaktor, der im Laufe der Zeit irgendwie den Weg in mein Kinderzimmer gefunden hatte.
Das Bild landete schließlich, weil es weder hilfreich war, noch cool oder erwachsen genug, gedankenlos auf dem Müll, ohne Sinn für all die ideelen Werte, die sich damit verbinden ließen und seine tiefgehende Bedeutung.

Heute kann ich nur schockiert, verärgert und kopfschüttelnd feststellen, dass ich in der pubertären Anti-Phase nicht Herr meiner Sinne war und dringend Platz brauchte für Poster von Kurt Cobain, Campino und Co.
Von Oberflächlichkeit, Unwissenheit und Gleichgültigkeit getrieben.

Im Laufe der Jahre erinnerte ich mich immer öfter an dieses Bild zurück und immer mehr trauerte ich ihm und den damit verknüpften, scheinbar verlorenen Emotionen hinterher.
Es wurde für mich zu etwas Besonderem, denn es hatte mich meine ganze Kindheit begleitet und war Sinnbild für das Gefühl grenzenloser Geborgenheit und Liebe geworden und das Symbol für Sorglosigkeit, Glück und Vertrauen.

Ich wollte es wiederhaben.
Nicht nur das Gefühl, auch das Bild.

Und dafür gibt es Flohmärkte.
Ich suchte und hoffte und suchte und hoffte.
Und suchte und hoffte.
Auch gestern.
Ich suchte und hoffte und…
…habe es gefunden!!!

Einfach so stand es plötzlich da, angelehnt an einen Tapezierertisch und erzählte mir die Geschichte von meinem Schutzengel, der immer bei mir ist und mich beschützt und aufpasst, dass mir nichts passiert.
Und es erzählte mir eine Geschichte über Vertrauen und Hoffnung und ließ all die kindlichen Gedanken und Gefühle dreißig Jahre später quietschlebendig wieder auferstehen.

Es ist unsagbar kitschig.
Es ist peinlich.
Es kann mir nicht helfen, aber es macht manches leichter und-

Ich finde es wunderschön!!!

danke ♡Oma♡

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3 Antworten zu “Kitsch-Glück

  1. Ich find`s auch wunderschön! :-)

  2. Ups, dachte ich gerade, das Bild kenne ich doch! Soo viele Erinnerungen werden wach…

  3. Tolle Geschichte! Was für ein Glück!

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