Zwischen Räucherstäbchen und Weihrauch

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Meine Rückkehr aus der Freiheit ist bereits über eine Woche her.
Und es ist erstaunlich wieviel schneller die Uhren im Alltag zu ticken scheinen, obwohl so viel weniger passiert.

Während ein beachtlicher Teil von mir in Indien zurück geblieben ist, genieße ich diesen Schwebezustand zwischen zwei Parallelwelten, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Durch die Kombination aus indischer Leichtigkeit des Seins und den Vorzügen unserer Welt (fließend-warmes Wasser 24 Stunden am Tag und die Möglichkeit immer dann zu essen wenn man Hunger hat) habe ich die ersten Tage gut überstanden und mich nicht gefangen nehmen lassen von den Pflichten des Alltags.

Meine Armbanduhr tickt weiterhin ganz bewusst im fröhlichen, indischen Takt und somit fällt es mir leicht, sie als vorschriftenmachenden Stressfaktor, zu dem sie bei der korrekten Zeitansage geworden wäre, zu boykottieren.

Die Glöckchen meiner Fusskettchen klingeln mit jedem Schritt, ganz im Einklang mit meinem neu entdeckten Selbst und ermahnen mich unermüdlich, an den Erkenntnissen dieser Reise festzuhalten.

Ich bin nicht unbedingt ein anderer Mensch geworden, aber ich habe meinen bisherigen Fokus überdacht und einem vorhandenen Teil ein wenig mehr Aufmerksamkeit geschenkt.
Mein Kleidungsstil ist zum „Indian Summer“ mutiert – auch wenn es hier noch viel zu kalt dafür ist und ich neugierige und skeptische Blicke ernte, trage ich diesen unverkrampften Look mit Würde.
Und spare jeden Morgen Zeit.

Die indische Hitze hat mir die Ruhe und Ausgeglichenheit förmlich eingebrannt und mich mit Zufriedenheit ausgefüllt.
Zu sehen wie das alltägliche Chaos vollkommen entspannt einem unsichtbaren System folgt, das weitaus besser funktioniert als unser übertrieben strukturiert-Geordnetes ist wirklich inspirierend.
Und wenn etwas mal doch nicht funktioniert: „So what?“
Dann eben anders oder gar nicht.

Das verbissene Festhalten an Idealen, das Streben nach Perfektion und unerreichbaren Zielen, das stumpfe Folgen eines durchdachten Plans sind Dinge, die es in Indien nicht zu geben scheint.
Weil es reine Zeitverschwendung ist.
Es kommt sowieso anders.
Und genau das macht das Leben dort soviel spannender, überraschender, erlebnisreicher und vor allem einfacher!

Sicher, Alltag und Urlaub lässt sich nicht miteinander vergleichen.
Ich könnte mir ein dauerhaftes Leben in Indien auch nicht wirklich vorstellen, denn dafür sind die Bedingungen stellenweise zu hart und auch zu traditionell und religiös geprägt.

Zudem hinkt der Fortschritt teilweise einige hundert Jahre hinter unserem hinterher, wodurch Vieles für uns gar nicht vorstellbar scheint und die Kluft zwischen den unterschiedlichen Standards sehr groß wird.

Aber dafür liegt der Fokus vielleicht auch auf wichtigeren Dingen, die in unserer Ordnung untergehen.
Selten habe ich soviel Offenheit, Freundlichkeit, Interesse und selbstverständliche Hilfsbereitschaft erlebt.

Es gibt Vieles, dass ich dort an Lebenseinstellungen und auch Lebensweisen erfahren habe, leben und lernen musste.
Und genau das ist es, was ich mitgenommen habe, weil es mir mein Leben hier einfacher, freier und schöner macht.

Incredible India – ich freue mich auf unser Wiedersehen…

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3 Antworten zu “Zwischen Räucherstäbchen und Weihrauch

  1. Ganz toller Artikel. Alles schön auf den Punkt gebracht. Haette es nach nun schon über drei Jahren Leben in Indien nicht besser beschreiben können. Laufe auch immer indisch Hippi like herum. Die Leute gucken manchmal blöd, aber das ist mir egal. I love it :-)

  2. Lass es lange lange nachwirken, deine Armbanduhr weiter indisch ticken lassen und dein Fußkettchen weiter klingeln!

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