Wenn Exorzisten dreimal klingeln…

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Ihr Lieben,

diejenigen von euch, die meinem Blog schon länger folgen, wissen, dass ich im Januar meinem ersten und bis dato einzigen epileptischen Anfall hatte.

Dies brachte mir, neben der notwendigen Auseinandersetzung mit einem völlig neuen Thema, vor allem einen äußerst skurrilen Krankenhausaufenthalt ein.
(siehe „Sophie und die Epilepsie“)

Nun hatte ich letzte Woche zwei weitere Anfälle direkt an zwei Tagen hintereinander.

Den Ersten nahm ich ganz bewusst wahr, ohne das Bewusstsein zu verlieren, beim Zweiten fiel ich einfach ungebremst von einem Stuhl.
Erfreulicherweise habe ich mir diesmal Nichts gebrochen, sondern lediglich ein paar blaue Flecken und Prellungen abbekommen.

Dennoch zwingen mich diese Anfälle zur Auseinandersetzung mit dem Thema Epilepsie, da sie mich offiziell zur Epileptikerin gemacht haben.

Aber was ist das eigentlich?
Epilepsie?
Laut neurologischer Defintion ist Epilepsie eine Funktionsstörung des Gehirns, bei der so viele Nerven gleichzeitig aktiviert werden, dass es zu einem Kurzschluss kommt –
mit anschließendem Stromausfall.

Was das genau bedeutet, lässt sich am besten am Beispiel des „déjà-vu“ erklären.
Denn genaugenommen ist dies nichts anderes als eine solche, wenn auch sehr minimale, Funktionsstörung –
eine Art Mikroanfall, bei dem sich ein Erlebnis in der Gegenwart mit einem vermeintlich identischen Erlebnis aus der Vergangenheit zu überlagern scheint.
Tatsächlich ist dies, aus neurologischer Sicht, nur eine Fehlzündung von Synapsen.

Passiert dies (wie ich bei meinem Anfall ohne Bewusstseinsverlust mitverfolgen konnte) mit mehreren identischen und unterschiedlichen Geschichten, aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig, die dann versuchen, zu einer Geschichte zu verschmelzen, spricht man von einem epileptischen Anfall.

„Es ist, als würdest du 10 Filme gleichzeitig schauen, mit 10 Leuten gleichzeitig reden, zu 10 Liedern gleichzeitig tanzen und an 10 Orten gleichzeitig sitzen, liegen und stehen.
Die Handlungen laufen alle parallel und du versuchst sie alle zu verfolgen.
Das ist der Moment, in dem du das Bewusstsein verlierst und anfängst deinen Körper stakkatoartig zu bewegen, weil du gar nicht weißt, wo du zuerst hinsollst und wo du zuerst anfangen willst.“

Ein gefundenes Fressen für Horrorfilm-Produzenten und ambitionierte Exorzisten.
Denn tatsächlich gehen diese Anfälle mit Krampfungen, Zuckungen und seltsamen Geräuschen einher.
Wer also früher als „von Geistern (oder gar dem Teufel selbst) besessen“ angeklagt war, hatte vermutlich „nur“ einen epileptischen Anfall.
Eine Erkrankung, die somit nicht nur etwas unschön, sondern tatsächlich auch unheimlich aussieht.

Das wesentlich größere und hauptsächliche Problem ist jedoch das hohe Verletzungsrisiko und je nach Anfallsdauer und Krankheitsintensität eine mögliche Sauerstoffunterversorgung des Gehirns.

Das bedeutet in erster Linie ein Jubelschrei für die Pharmaindustrie, die mich zukünftig dauerhaft mit Tabletten versorgen darf, um weitere Anfälle zu unterbinden.

Damit lässt sich wohl (ist die Medikamenteneinstellung erstmal abgeschlossen) ein ganz normales und sehr wahrscheinlich auch anfallsfreies Leben führen.
Ohne dass neben den Zeugen Jehovas und dem Postboten nun auch noch die Exorzisten dreimal klingeln.

In diesem Sinne:
Mir geht’s gut..:)

Eure Sophie

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8 Antworten zu “Wenn Exorzisten dreimal klingeln…

  1. Schön, dass Du dies positiv siehst und Deinen Post abschließt mit „Es geht mir gut“. Mach weiter so!

  2. Man kann froh sein, dass in der heutigen Zeit die Medizin weiter ist und man weiter damit unbeschwert leben kann.
    LG, Emma

  3. Alles Gute für Dich! Ich drücke die Daumen, dass es keine weiteren Anfälle mehr gibt! Weißt Du eigentlich, woher die kommen? Epilepsie kommt doch nicht einfach so, oder doch?
    LG
    Ulrike

    • Ich danke dir!!! :)

      Es gibt verschiedene Faktoren, die epileptische Anfälle auslösen können.

      Schlaganfälle, Hirntumore oder sonstige Hirnverletzungen und Entzündungen (wie eine Meningitis beispielsweise) sind die typischsten Ursachen, vor allem, wenn man erst im Erwachsenenalter seinen ersten Anfall bekommt.
      (die sog. symptomatische Epilepsie)
      Das ist bei mir Gott sei Dank nicht der Fall!
      Dann gibt es noch die „unklaren“ Formen, die entweder angeboren sein können oder den Ärzten Gründe liefern, weitere Forschungen zu betreiben (die sog. idiopathische Epilepsie).
      Was genau Anfälle auslöst, wenn das Hirn keinerlei Veränderungen oder Narbengewebe aufweist, stellt die Ärzte offensichtlich noch vor einige Rätsel…

      Liebste Grüße zurück..:)

  4. Liebe Sophie,
    die Medikation wird in der ersten Zeit wohl recht unangenehm sein, wenn Dein Körper sich aber daran gewöhnt hat, geht es Dir normal gut. Und ja, ein epileptischer Anfall ist etwas Gespenstisches. Aber: Wenn Deine Freunde und Verwandten wissen, wie sie sich verhalten müssen wenn sie einen Anfall mitbekommen…dann ist das bald kein Thema mehr für sie. Und Du scheinst Dich ja ausfürlich mit seiner Krankheit auseinandergestzt zu haben und endest mit „Es geht mir gut!“. Und das ist doch letztlich die Hauptsache.

  5. Liebe Sophie,
    Über westendstories blog bin ich auf deinen hier gestoßen und da meine Tochter auch Epileptikerin ist, hat mich vor allem dieser Menüpunkt gleich angesprochen. Ich hab jetzt hier ein wenig gelesen und es tut mir sehr leid, dass bei dir doch weitere Anfälle aufgetreten sind. Ich hoffe die Medikamente helfen dir und zukünftige Anfälle bleiben aus.
    Deine Ängste und Sorgen kann ich sehr gut verstehen. Vor allem das Beispiel mit dem See (in einen deiner Einträge). Meine Tochter lasse ich nie alleine schwimmen und werde ihr das auch für später mitgeben, dass sie immer jemanden dabei haben sollte.
    Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute für die Zukunft.
    LG, Ingrid

    • Hallo liebe Ingrid.
      Danke dir! Ich wünsche dir umd deiner ebenfalls alles Gute!!ist sie denn auch auf Medikamente eingestellt oder versucht ihr es ohne?

      • Liebe Sophie!
        Wir nehmen Medikamente seit 5 1/2 Jahren und seit 2 Jahren sind wir nun endlich auch gut eingestellt. Aber sie wächst ja noch ( sie ist jetzt 9) da müssen wir immer mal wieder die Dosis nachbessern. Zum Glück verträgt sie aber alles sehr gut.
        LG Ingrid

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