Mit „Oooooommmm“ und Bastmatte zur Meditation

Eine Station meiner Backpacker Reise durch Indien war Kanyakumari und das dortige Kap Komorin, der südlichste und mit Abstand heißeste Punkt dieses faszinierenden Landes.

Hier soll Vivekananda, ein hinduistischer Mönch und Gelehrter drei Tage lang auf einem Felsen sitzend meditiert haben.
Ihm zu Ehren wurde ein Tempel auf einer Insel, nicht weit vom Festland entfernt, errichtet, die man mit der Fähre nach ca. fünf Minuten erreichen kann.

Dort befindet sich u.a. auch eine Meditationshalle. Ein abgedunkelter Raum, der lediglich durch das angenehm grüne Licht eines großen Om-Zeichens erhellt wird und in dem sich ca. 20 Bastmatten befinden.
Die einzige Geräuschkulisse ist der Om-Gesang vom Band.
Auch ich nahm auf einer dieser Matten Platz, nahm die wenig bequeme Meditationshaltung ein und starrte, auf die Erleuchtung wartend, auf das große, Alles beinhaltende Symbol.

Während ich mich auf die tonalen Wort-Wiederholungen konzentrierte (was mir erstaunlicherweise unerwartet leicht viel) und die Augen schloss, begann plötzlich einer der Anwesenden leise in den beruhigenden, sonoren Klang mit einzustimmen.
Bereits beim nächsten Atemzug fielen Weitere mit ein.
Kurz darauf war die kleine Halle von den vibrierenden, immer lauter werdenden Om-Gesängen Aller ausgefüllt und ich, plötzlich und ganz unverhofft im Einklang mit mir selbst, eingeschlossen von diesem mehrstimmigen, durchdringenden und beruhigendem Brummen, mittendrin.

Der Ganze Raum schien erfüllt zu sein, von dieser Vibration, die Wände warfen diese machtvollen zwei Buchstaben kraftvoll zurück, wodurch der Gesang körperlich spürbar war. Ich ließ mich mitnehmen und einhüllen von dieser unfassbaren Energie, der Friedlichkeit, Liebe und Ruhe.

„Es war als würdest du mit einer Luftmatraze auf dem Meer liegen, während die Sonne auf dich niederscheint und du weißt, du musst nie mehr zurück.
Die Wellen kommen und gehen und wiegen dich sanft und behutsam in ihrem Armen, während du dich einfach treiben lässt.“

Ich dachte in diesem magischen Moment an Nichts, meine Aufmerksamkeit war ungeteilt und zu 100% bei dem Gesang. Nichts lenkte mich ab. Nichts war Wichtiger.
Nichts spukte mir durch den Kopf und ich war völlig im „Hier und Jetzt“.

Da Meditation eigentlich in Stille stattfinden sollte, kam nach wenigen Minuten ein wütender Aufpasser in die Halle gestürmt und brüllte mehrfach hintereinander aufgebracht „SSSSSCHT!!!!“-
Der Gesang verstummte.
Aber den Zauber dieses unvergesslichen und unbeschreiblichen Moments kann ich noch immer jederzeit abrufen.

Seitdem fällt es mir deutlich leichter, zu meditieren, denn ich habe in dieser kleinen Halle irgendwo in Indien gelernt, dass Meditation so individuell ist, wie die Lebensweise des Einzelnen an sich.
Jeder muss den Weg finden, der für ihn selbst am sinnvollsten und am effektivsten ist.
Und wenn man dabei merkt, dass Meditation verdammt gut klappt, wenn man sich mit seinen Füßen befasst und gleichmäßig und im Rhythmus von Om-Gesängen über sie hinweg streicht, dann ist das eben so, wenn auch nicht unbedingt die klassische Art.
Hauptsache, es funktioniert.
Und das tut es!

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2 Antworten zu “Mit „Oooooommmm“ und Bastmatte zur Meditation

  1. Das muss eine wunderbare Erfahrung gewesen sein. Ich will auch UNBEDINGT nach Indien. In einen Ashram zum Yoga. Mal schauen ob und wann sich dieser Traum erfüllt.

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