10 Worte – Nr. 2

„Endlich ist wieder Sonntag!“
Nie hätte ich für möglich gehalten, dass ich einmal auch nur im Ansatz so etwas denken könnte.

Westendstorie hat mich im ersten Teil dieses Blog-Projekts nicht nur dazu gebracht, solche Sätze zu äußern, sondern auch fiktive Geschichten zu produzieren.

Hier ist die Nr. 2 mit der Vorgabe folgender Worte:

Supermarkt
Wäschekorb
Geschirrtuch
Kaffeetasse
Schokolade
Ramones
Zebrafell
Gummistiefel
Tapetenabschlusskante
Eichhörnchen

„Da saß sie nun in ihrem ausgeleierten Ramones Shirt mit ihrer leeren Kaffeetasse.
Sie blickt aus dem Fenster. Draußen regnete es unaufhörlich und ein Eichhörnchen huschte mit einer Nuss im Arm über den Balkon.
Sie dachte an ihn. Unaufhörlich spukte er ihr durch den Kopf. Wie glücklich sie gewesen waren.
Wie intensiv ihre Liebe gewesen war, wie harmonisch die Beziehung, wie großartig der Sex.
Sie hatten sich in jeglichen Bereichen ergänzt und sie hatte das Gefühl, endlich angekommen zu sein.

Trübsinnig starrte sie vor sich hin. Sie hatte keine Kraft mehr, fühlte sich ausgelaugt und erschöpft. Gleichzeitig brodelte in ihr eine unbändige Wut, giftiger Hass, der ihr die Kehle heraufkroch. Ihr Herz fing an zu rasen, die aufgestauten Aggressionen gewannen an Kraft. Sie presste sich das Geschirrtuch vor den Mund und schrie. Laut. Sie schrie alles aus sich heraus, was sie innerlich aufzufressen drohte und warf im letzten befreienden Akt die grüne Kaffeetasse an die Wand.
Es blieben Scherben und hässliche Kaffeetropfen, die im Rinnsal die Wand herunterliefen und sich bei der aufgerollten, losgelösten Tapetenabschlusskante trafen um dort zu einem hässlichen Fleck zu verschmelzen.

Sie musste hier raus. Sie brauchte Luft, frische, kühle, reinigende Luft.
Und Schokolade.
Sie stieg in ihre Gummistiefel und stapfte zum Supermarkt um die Ecke.
Normalität sehen. Es fühlte sich seltsam an.
Die Leute musterten sie aus den Augenwinkeln, aber es war ihr egal.
Sie nahm die Schokolade, bezahlte und ging zurück in ihre Wohnung.
Dort viel ihr Blick auf dieses dämliche Zebrafell. Das und ein halbvoller Wäschekorb mit Klamotten, war alles was von ihm geblieben war.“

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