Wenn die gelben Wilden kommen..

Da standen sie und lauerten breit grinsend auf den nächsten ahnungslosen Passanten, der sich in die Gefahrenzone ihres gelben, pavillionartigen Zelt-Standes in der Fußgängerzone wagte.

Sofort stürzte sich einer der übertrieben Motivierten voller Elan, mit wildwinkenden Armen und gutgelaunten Hickelkästchen-Sprüngen auf den unglücklich Auserwählten.
Mich.
„Heeeeeey duuuuuuu, du hast doch jetzt bestimmt Zeit und willst dich für die Menschenrechte einsetzen…“

„Ähm, nein, tut mir leid…“

„Ach was, warum denn nicht? Du hast doch bestimmt kurz Zeit, es dauert auch nicht lang..“
„Ich bin verabredet!“ raunze ich abwehrend, während ich vor dieser unangenehmen Bedrängung die Flucht ergreife. Der dauergrinsende Strahlemann nimmt die Verfolgung auf.

„Ach, die Verabredung kann warten!Für die Menschenrechte MUSS man sich Zeit nehmen“ erklärt er mir unnachgiebig.
Ich ignoriere ihn und marschiere im Stechschritt davon.
Wie wäre es, wenn er auch meine Rechte berücksichtigen würden? Das ist doch die reinste Ironie.

Die kleinen Duracell-Häschen sind Nichts im Vergleich zu diesem künstlich wirkenden Engagement, das so aufdringlich und unseriös daherkommt, dass sämtliche Anerkennung verloren geht und einer Ablehnungshaltung weicht.

Guerilla Marketing oder Überrumpelungsstrategie?
Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass bei mir das genaue Gegenteil erzeugt wird, wenn man mir, nicht-locker-lassend nachläuft und ein „Nein danke“ nicht akzeptiert.

Das es Organisationen gibt, die sich für die Schicksale auf der Welt und für den Schutz der Erde einsetzen, ist nicht nur richtig und wichtig, sondern verdient auch Respekt und Unterstützung.
Das die Rettung des Planeten ohne finanzielle Mittel und Werbemaßnahmen nicht möglich ist, ist absolut einleuchtend
Aber ist es der richtige Weg, Menschen von einer guten Sache zu überzeugen, indem man auf sie überfallsartig einstürmt, den Weg abschneidet und zu bevormunden versucht?

Ich halte nichts von Staubsaugervertretern und erst Recht nichts von der Strategie, Menschen zwischen Tür und Angel etwas andrehen zu wollen. Entscheidungen brauchen Zeit. Zeit für die Information, den Vergleich und um sich selbst bewusst zu machen, was man will.
Das es die Hilfsorganisationen nicht gerade leicht haben und sicherlich schon einiges versucht haben, ist mir bewusst.
Doch der aktuelle Weg ist in meinen Augen der Falsche.
Die Menschen wollen bei der Weltrettung, so absurd es auch erscheint, Spaß und Unterhaltung und vor allem Raum zum Nachdenken und für die Selbstbestimmung.

Und um auf ein Thema wirkungsvoll und erfolgreich aufmerksam zu machen, braucht es andere Mittel als einen Stand in der Fußgängerzone, wie der Hype um die weltweiten „Ice-Bucket-Challenges“ beweist.
ALS ist in aller Munde und es ist faszinierend zu sehen, wie sich dieses Thema lauffeuerartig verbreitet und Facebook überschwemmt wird, mit Videos, in denen sich Menschen Wasser über den Kopf schütten.
Eine Kampagne, die äußerst umstritten ist und harte Gegner auf den Plan ruft.
Doch gerade das ist es, was eine gute Marketingstrategie ausmacht.
Denn egal wie man persönlich zu dieser Methode steht, sie hat nicht nur gewirkt, sondern auch ein hohes Spendenaufkonmen und die Auseinandersetzung der Gesellschaft mit einem wichtigen Thema, bewirkt.

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5 Antworten zu “Wenn die gelben Wilden kommen..

  1. Ich weiche immer aus und lasse mich generell auf der Straße von div. Ständen nicht ansprechen. Diese Art überzeugt mich nicht. Früher waren es die nervigen Callcenteranrufe, jetzt lauern sie einem auf der Straße auf. Ich verstehe auch, dass die Gruppen auf sich aufmerksam machen wollen, man kann es aber anders angehen.

  2. Leider sind sich manche NGOs nicht zu schade, sogar professionelle Drückerkolonnen zu engagieren, um Mitglieder zu werben. Ist mir auch schon an der Haustier passiert. Schade, damit bekommen sie dann automatisch einen unseriösen Touch…

  3. Haustür wollte ich natürlich schreiben… :)

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