10 Worte – Nr. 3

Es ist wieder soweit:
10 Worte. Eine Geschichte.
Runde 3.

Dieses Mal gab es Wortvorgaben (Danke lieber Zolaski ;) ), die die „Tapetenabschlusskante“ der Vorwoche in ihrem Schwierigkeitsgrad noch übertroffen haben und ich musste tatsächlich ein längeres Weilchen nachdenken, bevor ich auf dem Touchscreen lostippen konnte.

Eine tolle Herausforderung!:)

Und hier sind sie, die in meinen Augen bisher kompliziertesten 10 Worte:

R(h)einfall
Schlüssel
Bauchpinsel
Wien
Hinterausgang
Osso Bucco
Oralfreude
Laurie Anderson

(danke für den interessanten Tipp..)
Rittberger
Schaum

Und hier ist das Ergebnis:

„Wien ist doch immer wieder eine Reise wert“, fand Francois de Chardonnay, während er, den Schlüssel vom Hotel in seinem eleganten Anzug verstauend, über das Kopfsteinpflaster zum „Le Gourmet“ flanierte.
Nachdem er am Vortag in Mainz im „Domspatzen“ den größten kulinarischen R(h)einfall seiner bisherigen Karriere erlebt hatte, sehnte er sich mehr denn je nach einer wirklichen Oralfreude, einem Gaumenschmaus, der Seinesgleichen würdig ist.

Mario Konrads, der Restaurantleiter im Restaurant „Zum Domspatzen“ hatte offensichtlich nicht gewusst, wer da vor ihm saß. Andernfalls hätte sich dieser inkompetente und schmierige Bauchpinsel doch sicherlich etwas mehr Mühe gegeben, als er ihm- Francois de Chardonnay, dem weltberühmten und hochgeschätzten Restaurantkritiker- das angeblich beste Menü des Hauses serviert hatte.

„Desaströs!“, hatte François nur gesagt, als er entsetzt aufstand, die Serviette auf den Teller warf, Konrads einen wütenden Blick zuwarf und das Restaurant stillschweigend und ohne zu bezahlen verließ.
Jede Pommesbude hatte mehr zu bieten, als die Möchtegern-Köche im „Domspatzen“ und ihn wunderte, dass die Spatzen nicht schon längst von den Dom-Dächern pfiffen, dass dieses Restaurant die reinste Zumutung war.

Nun, nach seinem Besuch würde es sicherlich nicht mehr lange dauern, bis in Mainz ein neues Ladenlokal zur Verfügung stand.
Den Artikel würde er am kommenden Montag verfassen, das Gesundheitsamt informieren und das Schicksal dieser Kaschemme wäre besiegelt.

Nun aber freute sich François auf ein Wochenende im majestätischen Wien und insbesondere auf einen exquisiten Abend im „Le Gourmet“ mit dem weltweit besten Osso Bucco, das ihm jemals serviert worden war.
Inhaber Sebastian „Sepp“ Rittberger hatte den Erfolg und eine tadellose Kritik wahrlich verdient. Seine Sterneköche waren legendär, die Speisen eine Geschmacksexplosion und unvergessliche Komposition.
Selbst Laurie Anderson hatte das „Le Gourmet“ besucht und ihre Eindrücke, dieser einzigartigen, hohen Kochkunst aus purer Leidenschaft und unvergleichlichem Genuss, in ihre Musik einfließen lassen.

François betrat das Restaurant, nahm seinen Lieblingsplatz in der Nähe des Hinterausgangs ein und bestellte „Osso Bucco de la Vienna“, die neuste Kreation des Hauses aus dem zartesten Kalbsfleisch, das jemals einen Gaumen berührt haben soll.
Während er wartete, erschien Rittberger an seinem Tisch: „Aaaah geeeeeh, der Herr Monsieur de Chardonnäh, habn wir wiederramal die Eeehre“ begrüßte er seinen prominenten Gast in der typischen Wiener Schmäh.

„Es freut mich außerordentlich, wieder hier zu Gast zu sein, mein werter Herr Rittberger“

„Die Freude is gaanz meinerseits Monsieur de Chardonnay, hams denn schon unsre Weinkarten studiert?“

„Selbstvertändlich Herr Rittberger. Ein Sauvignant Noir wird mir, auf Empfehlung des Küchenchefs, zum Osso Bucco serviert.“

„Na dann lassens sich gut gehn Herr Monsieur, aber machens mim Rotwein keine Flecken“ verabschiedete sich Rittberger zwinkernd, als der Kellner mit François‘ Bestellung kam.

François nahm den ersten Bissen.
Und hielt erschrocken inne.
Da war etwas.
Das war ein wahres Feuerwerk.
Das Meisterstück!
Diese Komposition übertraf Alles.
Sie hatte eine ganz besondere Note.
Eine Note, die er nicht greifen konnte, nicht definieren konnte, aber die offensichtlich etwas ganz Außergewöhnliches war.

So außergewöhnlich, dass er vor eisigem Schreck erstarrte, als er die grausame Wahrheit erkannte, ihm Schaum vor die Lippen trat und er tot über seinem Teller zusammenbrach.

Sein Hand schlug als letzter Akt gegen das volle Weinglas mit dem edlen Sauvignant Noir.
Als sich das wankende Glas zur Seite neigte, klirrend zu Boden fiel und sich der Rotwein dunkelrot über dem Tischtuch auszubreiten begann, sah man draußen einen dunklen Schatten zwischen den Fiakern verschwinden.

Vielleicht war es tatsächlich Mario Konrads‘ hasserfülltes Gesicht, das Sekunden zuvor mit einem psychopathisch-zufriedenen Grinsen an der Scheibe des „Le Gourmet“ und dem sterbenden François erschienen war.

 

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2 Antworten zu “10 Worte – Nr. 3

  1. Schön wie du mit den 10 Worten ein spannendes Mahl kreierst.

    • Dankeschön..
      Das Tolle ist, dass man bei dieser Art Schreiberei genau feststellen kann, wo die eigenen Schwächen liegen..
      Und deine Worte hatten es wirklich in sich!Danke dafür!

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